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PATIENT GESUNDHEITSWESEN
Mission 2030
Geleitwort Vorwort Herausgeber Vorwort Verlag Gedenken

Vorwort des Verlages

An das Datum 16. Januar 2007 erinnere ich mich noch sehr gut, als die dreiteilige ZDF-Doku-Fiction "2030 - Aufstand der Alten" von Jörg Lühdorff gesendet wurde. Eine schockierende aber zugleich real klingende "Doku-Fiktion" zu der uns bewegenden Frage unserer alternden Gesellschaft und unserer eines Tages persönlichen Begegnung mit unserem eigenen Alter. Hierzu zählen die eventuell vielen Arztbesuche, eine Medikamentenflut, die Behandlung durch die High-Tech-Medizin in einem kühlen und kommunikationsarmen Klinikbetrieb, die Schmerzen, ein Siechtum und dann womöglich auch ein würdeloses Sterben. Es kann jeden treffen und auch die Ärzte selbst, die plötzlich zum Opfer in ihrem eigenen System werden.

Die Gesundheit verdrängt alles - aber oft bringt uns tragisch selbst Erlebtes im Freundes- und Bekanntenkreis doch zu dem Wunsch: Das wollen wir nicht. Dass das ZDF sich dieser so schwierigen und komplexen Thematik seinerzeit in dieser Form angenommen hat, ist hoch zu loben. Nur was war die Reaktion in der Politik, Wissenschaft und Gesellschaft? Sicherlich wurde viel diskutiert und die Sachlage mit vielen wissenschaftlichen Abhandlungen und Studien bewertet. Im Ergebnis befinden wir uns im Jahre 2015 in der 39. inklusive der aktuell in parlamentarischen Beratung und im Referentenentwurf befindlichen Gesundheitsreform seit 1972. Wir nehmen laufend Symptombehandlungen in einem ökonomisierten Gesundheitsbetrieb vor, der längst an einer systemischen und chronischen Erkrankung leidet. Das Gesundheitswesen ist selbst zum Patienten geworden.

Der Generationenvertrag existiert in einer ethischen und gesellschaftlichen Normvorstellung nicht mehr. Fehlt der Mut zum Umdenken oder gibt es einfach kein Patentrezept, aus dem gewinnmaximierenden System auszubrechen, weil die vielen divergierenden Partikularinteressen nicht in Einklang zu bringen sind? Alles als gegeben anzusehen wäre der falsche Weg, denn es ist unsere gemeinsame Verantwortung, die Zukunft zu gestalten und diese nicht im Rhythmus einer Legislaturperiode zu betrachten. Vor dem Hintergrund ist dieses Werk entstanden und wir danken den Herausgebern und den 43 Autoren, dass sie sich dieser fast unlösbaren Herausforderung mit ihrer jeweiligen Expertise angenommen haben. Denn es sollte ein Werk entstehen, das die Komplexität, wenn auch ohne Anspruch auf Vollständigkeit, komprimiert und ohne den Verlust an Wissenschaftlichkeit wiedergibt und verdeutlicht, wo die Probleme bestehen und im wahrsten Sinne des Wortes "der Finger in die Wunde gelegt wird".

Hierfür wurde ein redaktionelles und methodisches Format gewählt, das den Themenkomplex in die Teile Gesundheit, Pflege und Leistungspartner einteilt. Jedes darin enthaltene Thema wird jeweils auf einer Seite mit den Fakten, der These, dem Hintergrund, dem Fazit und der zitierten Literatur behandelt. So ist ein horizontales Lesen über das gesamte Themenspektrum möglich und eine Vertiefung durch ein vertikales Lesen gegeben. Ergänzend zu diesem Werk wird auch ein Online-Forum entstehen. Dieses ist als ein iteratives Werk zu verstehen, denn zu jedem Thema wird eine Dialogform geschaffen, die zu einer laufenden Anpassung der Thesen führen soll. So können durch die Beiträge der Diskussionsstand und die gesundheitspolitischen Maßnahmen verfolgt werden, in welchem Reifeprozess der Erkenntnis und der dringenden Handlungsmaßnahmen wir uns befinden.

Möge dieses Werk "Patient Gesundheitswesen - Mission 2030" auch als eine Hommage an den Mut der seinerzeitigen ZDF-"Doku-Fiktion" verstanden werden, verbunden mit dem Wunsch einer breiten öffentlichen Diskussion, nicht nur unter den Wissenschaftlern und Politikern, sondern auch in unserer demokratischen und aufgeklärten Wissens-Gesellschaft. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, die Zukunft zu gestalten, denn jeder von uns ist davon betroffen, früher oder später.

Alexander Ammann,
Dr. Dipl. Wirt. Ing.
Quintessenz Verlag