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PATIENT GESUNDHEITSWESEN
Mission 2030
Gesundheit - Pflege - Leistungspartner
Version vom 23. Juli 2015

1.1 Proaktive vs. reaktive Medizin
Hat die moderne Medizin ein Konzept?
Klaus Thielmann
FAKTEN • 63 % aller Todesfälle weltweit, 86 % in der europäischen WHO-Region und 77 % der Krankheitslast sowie mehr als drei Viertel der Gesundheitsausgaben wurden 2010 durch chronische, nicht übertragbare Krankheiten (NCD) verursacht.
• 25–30 % der Gesundheitsausgaben in Deutschland lassen sich durch langfristige Prävention vermeiden.
• 99.768 verkehrsfähige Arzneimittel gibt es in Deutschland, davon 46.571 rezeptpflichtige, 19.577 apothekenpflichtige und 32.182 frei verkäufliche.
THESE NCD (Non Communicable Disease) sind die größte Herausforderung der heutigen Medizin. Die Behandlung von NCD-Patienten verbessert deren Lebensqualität und Lebenserwartung, aber Heilung ist selten. Kurativer Fortschritt ohne Heilung überfordert schließlich jedes Gesundheitswesen, Gleichbehandlung vorausgesetzt. Pauschale bevölkerungswirksame Präventionsprogramme sind unverzichtbar und wirksam, doch unzureichend. Es fehlt eine wirksamere, individualisierte Prävention.

4 Kommentare

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Prof. i.R. Dr. med. Klaus Thielmann schrieb am 22. Sep. 2015, 11:40 Uhr
... auch in der Medizin
Liebe Frau Dr. Smith,
vielen Dank für Ihren Kommentar 'Bewusstsein stärken',
Prävention geht alle an. Jeder hat Verantwortung für die eigene Gesundheit. Dazu muss mehr Aufklärung und Erziehung geleistet werden. Allerdings, beginnt Prävention wirklich hier, bei der Verhaltensprävention? Wo ist der Anfang des Problems?

Wenn Menschen rauchen, viel Alkohol trinken, sich falsch ernähren, sich wenig bewegen - warum tun sie das? Auch viele gut Informierte verstoßen gegen besseres Wissen und Wollen. Sind sie nur willensschwach? Gute Vorsätze werden von Stress, Frust, sozialen Bedingungen ausgehebelt. Verantwortung tragen jede/r Einzelne, aber auch staatliche und wirtschaftliche Sektoren, 'das System', von dem Lebensbedingungen abhängen. Verhaltensprävention und Verhältnisprävention sind zwei Seiten einer Medaille.

Drittens: Menschen sind unterschiedlich und reagieren verschieden auf gleiche Bedingungen. Ursachen und Folgen von Rauchen, Trinken, Bewegungsarmut, Fehlernährung, die oft für die Ursachen chronischer nicht-übertragbarer Krankheiten (NCD) gehalten werden, lassen Muster erkennen. Niedriges Einkommen und anhaltende Arbeitslosigkeit korrelieren mit Fettleibigkeit. Doch nicht alle Geringverdiener und Langzeitarbeitslosen sind fettleibig, nicht alle Übergewichtigen entwickeln Herz-Kreislauf-Krankheiten, nicht alle Raucher ein Bronchialkarzinom, und nicht alle Herz-Kreislauf-Patienten sind übergewichtig, nicht alle Patienten mit einem Bronchialkarzinom haben geraucht. Statistische Korrelationen dienen der allgemeinen Orientierung, im Einzelfall zu nicht mehr als das. Generaliserende Präventionsprogramme sind unverzichtbar. Höhere Wirksamkeit aber erreicht man mit personalisierter ärztlicher Expertise.

Sie mahnen Bewusstseinsveränderung bei Entscheidungsträgern und Systemveränderung an. Das trifft für das Gesundheitswesen voll zu. Eine Neuorientierung ist überfällig. Solange Gesundheitseinrichtungen als Wirtschaftsunternehmen für kurative Leistungen bezahlt werden, sind sie wenig an Gesundheitsförderung und Prävention interessiert. Eine auf Reparaturarbeiten konzentrierte Medizin gibt einer Senkung des Erkrankungsrisikos wenig Raum. Die Medizin hat als Profession das Privileg, selbst darüber entscheiden zu können, wie sie ihren Dienst an der Gesellschaft gestaltet. Dafür braucht sie ein strategisches Konzept mit weiter Perspektive. Das muss die wirtschaftlichen mit den Möglichkeiten abgestimmt werden, die dem Leistungsumfang Grenzen setzen. Konzept, Strategie, Leistungsstruktur aber sind allein Aufgabe und Verantwortung der Profession.

Ein zukunftsfähiges Konzept für die Gesundheitsversorgung wird der Reduzierung des Erkrankungsrisikos für NCD hohe Priorität einräumen. Die Strategie zu seiner Realisierung wird bei den individuellen und sozialen Gesundheitsdeterminanten, den Ursachen der Ursachen ansetzen und alle drei Präventionsebenen vernetzen: Verhaltens-, Verhältnis- und medizinische Prävention. Letztere darf sich nicht auf allgemeine Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens beschränken, sondern sollte ihre Wirksamkeit durch zusätzliche personalisierte Prävention deutlich steigern. Aufgrund ihres holistischen Konzepts und ihrer Verwurzelung im sozialen Umfeld ist die Allgemeinmedizin die ideale Kandidatin für die Übernahme dieser strategischsten aller Aufgaben der heutigen Medizin, begleitet von weiteren 'allgemeinen' Fachgebieten der medizinischen Praxis, darunter Allgemeine Innere Medizin, Allgemeine Pädiatrie, Arbeitsmedizin und unterstützt durch einschlägige medizinische Wissenschaftsgebiete wie Allgemeine Hygiene, Sozialmedizin, Medizinische Psychologie usw..
rene hissler (blickpunkt) schrieb am 10. Sep. 2015, 22:33 Uhr
Präventionsmethoden auflisten; Anerkennungsverfahren einleiten
Die Richtlinien zur Anerkennung der Präventionsmaßnahmen müssen geprüft und angepasst werden.
Aussagen aus dem letzten Jahrtausend können und sollten nicht ungeprüft übernommen werden.
Wer nimmt sich dieser Aufgabe an?
Prof. i.R. Dr. med. Klaus Thielmann schrieb am 22. Sep. 2015, 11:50 Uhr
Sehr geehrter Herr Hissler, Ihr Hinweis ist wichtig. Das aktuelle Spektrum an Maßnahmen für Prävention und Gesundheitsförderung bedarf kritischer Sichtung. Es wäre hilfreich, sich dabei an den Zielen einer Nationalen Gesundheispolitik orientieren zu können. Für eine solche sollte das zuständiges Bundesministerium in der Pflicht sein, beraten und notwendigenfalls auch motiviert durch die organisierte Profession, d.h. die Gremien der ärztlichen Selbstverwaltung, darunter Bundesärztekammer, Landesärztekammern, Ärztevereinigungen, unterstützt durch wissenschaftliche Expertise. Verständigung auf eine Nationale Gesundheitspolitik und eine daraus abgeleitete Gesundheitsstrategie ist wegen der hohen Belastung von Bevölkerung und Gesundheitswesen durch NCD und den demografischen Trend dringend. Wichtige Impulse und Aktivitäten zu Prävention und Gesundheitsförderung kommen immer von der BZgA, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Diese wird bei der kritischen Sichtung und Aktualisierung von Präventionsmaßnahmen sicher eine wichtige Rolle übernehmen und die Realisierung eines zeitgemässen umfassenden Präventionsprogramms sachkundig unterstützen.
Dr. Tong-Jin Smith (Gecko Media) schrieb am 3. Aug. 2015, 14:12 Uhr
Bewußtsein schaffen
Lieber Herr Thielmann, Liebes Forum,
Sie haben vollkommen recht! Aber Prävention beginnt zuhause bei der Ernährung und einer gesunden Lebensweise. Auch im Berufsleben gibt es Möglichkeiten, Gesundheit in den Alltag einzubeziehen. Was uns krank macht: wir sitzen zu viel und bewegen uns zu wenig, zu viele Menschen rauchen (schlecht für die Raucher & schlecht für ihre Mitmenschen, vor allem Kinder), wir essen zu viel und zu fett mit zu vielen Fertigprodukten als Grundlage, wir sind konstant Stress ausgesetzt (auch Kinder, die teilweise das Stress-Level von Top-Managern aushalten müssen), etc.. Wir sind zu verkopft und zu träge. Dabei sind wir selbst in der Verantwortung. Es ist eine Frage der Aufklärung, der Erziehung, der persönlichen Einstellung. Hier sind nicht nur Mediziner, Versicherungen, Schulen und Medien gefragt, sondern alle.
Dazu kommt ein Gesundheitssystem, das eine gesunde Lebensweise und medizinische Prävention nicht belohnt. Im Gegenteil.
Wir sollten daher ein Versicherungssystem anstreben, in dem Solidarität bedeutet, besser auf sich zu achten und nicht auf Kosten anderer fett zu werden, zu rauchen und sonstwie ungesund zu leben, um anderen auf der Tasche zu liegen und dann noch per ärtztlichem Attest montags blau zu machen.
Außerdem müssen Präventionsmaßnahmen entsprechend von Versicherungen gewollt und finanziell getragen werden. Wir brauchen eine Bewußtseinsveränderung bei den Entscheidungsträgern und eine daraus resultierende Systemveränderung. Und jeder von uns muss sich an die eigene Nase packen! Das muss man mal so hart sagen und öffentlich kommunizieren.