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PATIENT GESUNDHEITSWESEN
Mission 2030
Geleitwort Vorwort Herausgeber Vorwort Verlag Gedenken

Geleitwort

Die Reaktion war stürmisch, die Empörung heftig, die Kritik gespalten. Das Thema war wochenlang in den Schlagzeilen. Eine Art erster Shitstorm, im aufkommenden Zeitalter von Twitter und Facebook. Es war: wie erwartet, wie erhofft. Der Programmverbund zum Thema "2030 - der Aufstand der Alten" war auf größtmögliche Aufmerksamkeit ausgerichtet. Ein Thriller in der Form einer Sozialutopie, eine Illustration einer durchaus plausiblen Zukunftsvariante der demografischen Entwicklung unserer Gesellschaft. Ein Film mit beinharter Behauptung: Wenn Politik und Zivilgesellschaft weiterhin die Augen verschließen, dann wird das, was die Fiktion als soziales Desaster unserer Gesellschaft prophezeit, schwierigste Realität. Ein "Bürgerkrieg der Generationen". Der Film legte den Finger in eine der schmerzhaftesten Wunden unserer Gegenwartsprobleme: Der Generationsvertrag steht vor der Auflösung. Der sperrige Begriff des "demografischen Wandels" sollte - mit zugebenermaßen drastischer Fantasie und dramatischen Bildern - ein konkretes Gesicht bekommen. So entstand eine extrem spannende Geschichte über ein mögliches gesellschaftspolitisches Fiasko, über ein Szenario des Politikversagens und über ein Desaster für unsere gesellschaftliche Zukunft.

Das war vor fast zehn Jahren. Nur wenige Filme im ZDF haben eine so komplexe Diskussion und eine so erfolgreiche Aufmerksamkeit gefunden wie "2030 - Aufstand der Alten". Die Wirkung der phantasievollen "Doku-Fiktion" hat ein paradoxes Ergebnis: Im Lager der Politik und der Publizistik wurde fortan deutlich sachlicher und seriöser über das bald "Methusalem"-Syndrom genannte Großthema unserer gesellschaftlichen Entwicklung diskutiert. Jahr für Jahr entstanden neue Publikationen, konzentrierten sich die Diskussionen auf konkrete Konsequenzen für eine schon greifbare Zukunft.

Ich bin sehr zufrieden darüber, dass dieser Film mit seiner sehr extremen Rezeption eingemündet ist in eine sehr konstruktive Reflexion. Wir alle denken jetzt neu über ein Thema nach, das schon seit den 1970er Jahren evident ist und auf der Hand liegt, aber lange aus Bequemlichkeit totgeschwiegen wurde. Auch weil das Thema so unendlich komplex ist.

Ich freue mich deshalb, dass diese sehr verdienstvolle Publikation "Patient Gesundheitswesen - Mission 2030" sich nicht nur als eine wissenschaftlich interdisziplinäre Herausforderung versteht, sondern auch darüber, dass sich 43 Autoren mit ihren jeweiligen Expertisen an diese Komplexität heranwagen. Es werden Vorstellungen entwickelt für ein dauerhaftes Forum zur ständigen Vergewisserung der Gesellschaft und darüber, wo wir in einer Frage stehen, die entscheidender und weichenstellender für unsere Zukunft ist als die meisten Themen der Tages- und Wahlkampfpolitik.

Prof. Dr. h. c. Markus Schächter
Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens, 2002-2012